Gedanken zum Monatsspruch

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# Monatsandacht

Gedanken zum Monatsspruch

Denkt an die Gefangenen, als wäret ihr mitgefangen; denkt an die Misshandelten, denn auch ihr lebt noch in eurem irdischen Leib! 
Hebr 13,3

Der trübe, nebelverhangene Tag verstärkt noch einmal das bedrückende Gefühl, als sich die Tore der JVA Tegel hinter uns schließen. Es ist eine uns sonst verschlossene, fremde Realität, durch die wir die Gefängnisseelsorgerin für einen Tag mit mulmigem Gefühl begleiten dürfen. Doch dieser kurze Einblick ist augenöffnender denn je und stellt alle meine Vorstellungen vom Leben Gefangener auf den Kopf. Es beweist mir eindrücklich, wie oft Denkweise und Realität aneinander vorbeigehen. Denn wie schnell meinen wir oft zu wissen, wie andere leben und wovon sie träumen. Wie schnell ziehen wir unsere Schlüsse, meinen zu überblicken, was andere brauchen. Haben klare Vorstellungen, was Solidarität in dieser und jener Situation bedeuten muss und sind verwundert, wenn unsere Solidaritätsbekundung bei den Betroffenen nicht die erwartete Reaktion hervorruft.

Aber, Solidarität heißt eben nicht, zu wissen, was andere brauchen. Sondern sie heißt in erster Linie Bereitschaft, sich mit ehrlichem Interesse auf das Gegenüber einzulassen und zu fragen: „Was trägt dich? Was fehlt dir? Was hoffst du?“ Jede Mahnung zur Solidarität sollte kein Aufruf zum Aktionismus sein, sondern eine Erinnerung, sich mit dem Gegenüber auseinanderzusetzen. In den offenen und interessierten Dialog zu treten.

Pfr. Reinfeld

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